Know-How

Das Szenario 2035

Es besteht ein Vertrauensverhältnis in der Gesellschaft mit konstruktivem Dialog und einer lebendigen Zivilgesellschaft. Es gibt wieder mehr deutsche Nobelpreisträger:innen. Ideenreichtum, Know-how und gute Umsetzungsmöglichkeiten sind die Grundpfeiler dieser Entwicklung. Gute Bildung und Ausbildung sind gewährleistet. Dadurch wird die Gesellschaft als fair empfunden und es werden alle Ressourcen mobilisiert.


Die Empfehlungen

  • Zukunftsplan von frühkindlicher Bildung bis zum lebenslangen Lernen mit Fokus auf digitale Bildung und Ganztagsschulen
  • Verpflichtende Sprachförderung. Alltägliche Finanz- und Digitalkompetenz fördern.
  • Gründerkultur und Grundfinanzierung Hochschulen stärken.
  • Ausstattungsoffensive für Berufsschulen.
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Die PISA-Studien untersuchen die Schulleistungen in den Bereichen Lesekompetenz, Mathematische Kompetenz und Naturwissenschaftliche Kompetenz.

Im PISA-Test belegt Deutschland mit Werten um die 500 Punkte einen Platz im Mittelfeld unserer Vergleichsstaaten, wobei die Werte in den drei Kompetenzfeldern – mathematische, naturwissenschaftliche und Lesekompetenz – variieren. Zwar ist Deutschland in der naturwissenschaftlichen Kompetenz der Schüler:innen etwas vorangekommen, liegt aber bei mathematischer und Lesekompetenz weiter zurück. Dies wirkt umso schwerwiegender, als diese Kompetenzen in besonderer Weise über Ausbildungs- und Studienerfolg der Schüler:innen und damit über deren Kreativität und Innovationsfreude in einem späteren Beruf entscheiden. Darüber hinaus entscheiden sie in einer sich tiefgreifend transformierenden Volkswirtschaft über die Fähigkeit zum lebenslangen Lernen.

Entscheidend bleiben also Investitionen in ein inklusives Bildungssystem, das in der frühkindlichen Bildung ansetzt und bis in die weiterführenden Schulen eine möglichst individuelle Begleitung und Förderung der Schüler:innen ermöglicht. Da, wo der Bildungsföderalismus sich als hinderlich erweist, z.B. bei den Investitionen in die Digitalisierung der Schulen, sollten Gemeinschaftsaufgaben zwischen Bund und Ländern ausgeweitet werden. Kurzfristig muss durch Berufsvorbereitungsangebote den heute feststellbaren Schwächen in den drei Kompetenzen individuell begegnet werden.

Die Unternehmensgründungen in allen Branchen je 10.000 Erwerbsfähige bilden die Gründungsintensität.

Ø DE: 31,9

Die Stadtstaaten Hamburg und Berlin verzeichnen die höchste Gründungsdynamik in Deutschland. Die Ursachen für eine regional schwache Gründungsdynamik sind vielfältig; sie reichen von einer fehlenden Gründer:innenkultur, die die Möglichkeit des Scheiterns zulässt, bis zu fehlendem Wagniskapital und der unzureichenden sozialen Absicherung Selbständiger, beispielsweise im Alter. Nicht jede Gründung zahlt auf Innovation, z.B. bei der klimaschonenden Transformation der Volkswirtschaft, oder einen Beschäftigungszuwachs ein. Unternehmensgründungen bilden aber den „produktiven Kern“ (G. Steingart) einer Volkswirtschaft und sind in jedem Fall ein Indikator für Agilität.

An der Verbesserung der Rahmenbedingungen für Gründer:innen zu arbeiten bleibt insofern eine unerlässliche Herausforderung für ein Szenario „Created by Germany“. Wobei die Förderung der Gründungsneigung eine Aufgabe von Staat (Rahmenbedingungen), Unternehmen (Finanzierung, spin-offs) und Wissenschaft (Innovation, spin-offs, Qualifizierung) gleichermaßen darstellt.

Die Quote der Schüler:innen in Ganztagsschulen wird angegeben als der Anteil der Schüler:innen im Ganztagsschulbetrieb an allen Schüler:innen (bezogen auf allgemeinbildende Schulen in öffentlicher Trägerschaft).

Ø DE: 48,4 Prozent

Ganztagsschulangebote bilden eine wesentliche Voraussetzung sowohl für die individuelle Betreuung und Förderung von Schüler:innen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft – also für spätere gesellschaftliche Chancengleichheit –, als auch für die Beschäftigungsfähigkeit der Eltern. Rund die Hälfte der Schüler:innen in Deutschland wird im Ganztagsschulbetrieb betreut. Die Spreizung zwischen den Bundesländern (Sachsen: mehr als 59,1 Prozent Ganztagsschüler:innen, Bayern: weniger als 39,8 Prozent) ist besonders augenfällig. Im Interesse gleichwertiger Lebensverhältnisse, Bildungs- und Aufstiegschancen ist ein Angleich auf höchstem Niveau wünschenswert. Zugleich ist davon auszugehen, dass sich mathematische, naturwissenschaftliche und Lesekompetenzen der Schüler:innen in einer Ganztagsbetreuung wesentlich verbessern und insofern Deutschland im PISA-Vergleich aufholen kann.

Die Drittmittel der Hochschulen werden in Relation zu den laufenden Ausgaben (Grundmittel) gesetzt. Drittmittel sind Mittel, die zur Förderung von Forschung und Entwicklung sowie des wissenschaftlichen Nachwuchses und der Lehre zusätzlich zum regulären Hochschulhaushalt (Grundausstattung) von öffentlichen oder privaten Stellen eingeworben werden (Definition Destatis).

Ø DE: 37,6

Die Drittmittel stellen einerseits einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierung von Forschung und Lehre dar, sind andererseits Ausdruck des Zutrauens, das Unternehmen in die Transferchancen von Forschung und die Qualität der Lehre haben. Zwischen den Bundesländern differenziert der Drittmittelanteil an den Grundmitteln stark. In Bremen beträgt der Anteil fast 70 Prozent. Auch die Hochschulen in Sachsen, Berlin und Baden-Württemberg werben sehr viele Drittmittel ein. In Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Rheinland-Pfalz machen Drittmittel hingegen weniger als 30 Prozent der Grundmittel aus.

Zukünftig müssen einerseits mehr Anreize für Unternehmen zur Beteiligung an der Finanzierung von Forschung und Lehre gesetzt, den Universitäten andererseits mehr Autonomie in ihrer Haushaltsführung eingeräumt werden. Eine hohe Grundfinanzierung führt auch zu mehr Planungssicherheit. Wettbewerb zwischen Hochschulen ist per se nichts Schlechtes. Der Bildungsföderalismus steht einem erfolgreichen Wettbewerb um Drittmittel, der selbstverständlich nicht zu Lasten der Qualität der Lehre gehen darf, nicht im Wege.