Klima

Das Szenario 2035

Die Energiewende ist zum Exportschlager geworden und geht Hand in Hand mit der Rohstoffwende: Ressourcen werden in einer Kreislaufwirtschaft effizient genutzt. In der Bevölkerung hat sich ein ausgeprägtes Umweltbewusstsein herausgebildet. Entscheidend für die Akzeptanz von Umwelt- und Klimaschutz ist die Idee, Lasten fair zu verteilen.


Die Empfehlungen

  • CO2-Bepreisung in allen Sektoren, Energiesteuer auf CO2-Basis umstellen, alle Sektoren in Emissionshandel einbeziehen.
  • Effiziente, klimaschonende Mobilitätskonzepte
  • Stromsteuer auf das EU-Minimum, EEG-Umlage aus Bundeshaushalt finanzieren
  • Echte Kreislaufwirtschaft mit Wiedereinsatzquoten, Rohstoffbörse und Recycling
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Ausgewiesen wird der Anteil der CO2-Emissionen, der mit mindestens 0/30/60 Euro pro Tonne bepreist wird.

Heute bestehen europaweit erhebliche Diskrepanzen im Umgang mit CO2. Dies zeigt sich in sehr heterogenen Preisstrukturen. Mit Blick auf 2035 werden CO2-Emissionen in allen Sektoren mit einem Marktpreis versehen sein. Abgaben auf Energieträger werden einheitlich auf der Basis der Emissionen (und nicht mehr nach dem Energiegehalt oder ähnlichem) bemessen. Damit ist sukzessive ein Vorteil für klimaneutrale Energieträger entstanden. Fossile Energieträger wurden unwirtschaftlich. Zwar steigen die Energiekosten in der Zeit der Umstellung; jedoch wurden die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung für die Förderung des Klimaschutzes eingesetzt. Überdies trugen die Einnahmen dazu bei, die EEG-Umlage aus dem Bundeshaushalt zu finanzieren. Das hat vor allem Geringverdiener entlastet und die Akzeptanz der Energiewende erhöht.

Die Einwohner:innengewichtete durchschnittliche Luftliniendistanz zur nächsten Haltestelle des öffentlichen Verkehrs mit mind. 20 Abfahrten am Tag gibt an, wie gut der öffentliche Verkehr erreichbar ist.

Ø DE: 445 Meter

Die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel ist heute – mit regionalen Unterschieden - erheblich belastet durch schwere Erreichbarkeit, komplizierte Nutzung und hohe Preise. Unser Szenario: 2035 haben öffentliche Verkehrsmittel eine durchgreifende Renaissance erlebt. Die Erreichbarkeit der Verkehrsmittel wurde deutschlandweit verbessert, Digitalisierung hat die Planung auch längerer Reisen signifikant vereinfacht, und digitales Ticketing hat früher bestehende Nutzungsbarrieren abgebaut. Die erhöhte Nutzung des öffentlichen Verkehrs hat seine Wirtschaftlichkeit verbessert und Preissenkungen ermöglicht. Die Renaissance des öffentlichen Verkehrs hat die Voraussetzungen dafür geschaffen, die (inzwischen weitgehend strombasierte individuelle Mobilität) auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Auch der Güterverkehr auf der Schiene holt auf; der noch in den 20er Jahren wachsende Lieferverkehr in leichten und schweren Nutzfahrzeugen ist inzwischen stark rückläufig.

Der Anteil erneuerbarer Energieträger am Primärenergieverbrauch (PEV) gibt den Fortschritt im Ausbau erneuerbarer Energien an. Der ⁠Primärenergieverbrauch⁠ bezeichnet den Energiegehalt aller im Inland eingesetzten Energieträger (Definition Umweltbundesamt).

Ø DE: 13,7 Prozent

Der Anteil an Erneuerbaren Energien (EE) in Deutschland ist bezogen auf den PEV viel zu gering, um die Klimawende umzusetzen. Das Energiesystem ist nicht wirklich systematisch organisiert. Unser Szenario: 2035 ist der PEV von rd. 3.600 auf 2.200 TWh gesunken. Dies konnte aufgrund höherer Effizienz nicht nur beim Verbrauch von Endenergie, sondern auch durch den Entfall von Umwandlungsverlusten (zum Beispiel bei der Stromerzeugung oder im Verkehr) gelingen. Der Anteil an Erneuerbaren Energien am PEV ist auf (35) Prozent gestiegen. Nach dem stockenden EE-Ausbau der Jahre 2018 bis 2020 konnte aufgrund von vereinfachten Planungs- und Genehmigungsverfahren wie auch aufgrund neuer kommunaler Beteiligungsmöglichkeiten eine EE-Ausbauoffensive umgesetzt werden. Ein verbessertes Marktdesign, die Umfinanzierung der EEG-Umlage und eine konsequente CO2-Bepreisung haben Sektorkopplung ermöglicht und damit die Leistungsfähigkeit des Energiesystems insgesamt erhöht.

Die Strompreise werden als nationale Durchschnittspreise für einen Haushalt mittlerer Größe inklusive angewandte Steuern und Abgaben ausgewiesen.

Die deutschen Strompreise liegen heute im Vergleich mit anderen EU-Mitgliedstatten an der Spitze. Der Einsatz von EE-Strom wird hierdurch signifikant behindert. Unser Szenario: 2035 ist es gelungen, europaweit die Preisstrukturen von Energie und insbesondere von Strom von verfälschenden Elementen zu bereinigen. Grüne Energien werden entlastet, konventionelle auf der Basis des CO2-Gehalts belastet. Dies hilft, den Förderbedarf der Energiewende zu reduzieren. Die notwendige Systemintegration der volatilen EE erfolgt in einem Mix aus Digitalisierung, regionaler Flexibilität und Netzausbau. Sektorkopplung wird durch die Reform der Energiepreise, vor allem durch die Umfinanzierung der EEG-Umlage erleichtert und erhöht die Leistungsfähigkeit und Kosteneffizienz des Energiesystems ebenso, wie es den EU-weiten Handel mit klimaneutraler Energie auf marktwirtschaftliche Grundlagen stellt.

Die Ressourcenproduktivität setzt Wirtschaftsleistung und eingesetzte Ressourcen ins Verhältnis. Die Wirtschaftsleistung wird mit dem Bruttoinlandsprodukt, die Ressourcen mit dem Inlandsmaterialverbrauch gemessen.

Die Ressourcenproduktivität Deutschlands liegt zwar in unserem Ländervergleich im Mittelfeld, ist aber nicht auf Dauer nachhaltig. Eine echte Kreislaufwirtschaft kann im sehr wahrscheinlichen Fall wachsender Versorgungsengpässe volkswirtschaftlich erhebliche Vorteile erzeugen. Unser Szenario: 2035 werden Rohstoffe deutlich effizienter genutzt. Kosten- und Verfügbarkeitsgründe haben in Verbindung mit einer Wiedereinsatzquote und der Einführung einer Rohstoff-Börse Anreize zu höherer Effizienz geschaffen. Der Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft hat zugleich die Tür geöffnet, die Kreislaufwirtschaft zu intensivieren. Der Umgang mit Kohlenwasserstoffen ist neu organisiert worden und erhöht die Ressourcen- wie auch die Klimaeffizienz. Die in der Energiewende notwendigen komplexen Produkte (Solarzellen, Batterien etc.) sind von vornherein eingebunden in Recyclingstrategien.