Klima

Das Szenario 2035

Die Energiewende ist zum Exportschlager geworden und geht Hand in Hand mit der Rohstoffwende: Ressourcen werden in einer Kreislaufwirtschaft effizient genutzt. In der Bevölkerung hat sich ein ausgeprägtes Umweltbewusstsein herausgebildet. Entscheidend für die Akzeptanz von Umwelt- und Klimaschutz ist die Idee, Lasten fair zu verteilen.


Die Empfehlungen

  • CO2-Bepreisung in allen Sektoren, Energiesteuer auf CO2-Basis umstellen, alle Sektoren in Emissionshandel einbeziehen.
  • Effiziente, klimaschonende Mobilitätskonzepte
  • Stromsteuer auf das EU-Minimum, EEG-Umlage aus Bundeshaushalt finanzieren
  • Echte Kreislaufwirtschaft mit Wiedereinsatzquoten, Rohstoffbörse und Recycling
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Letzte Aktualisierung: November 2023

Anteil bepreister Emissionen (mehr als 0 Euro pro Tonne)

Anteil bepreister Emissionen (mehr als 30 Euro pro Tonne)

Anteil bepreister Emissionen (mehr als 60 Euro pro Tonne)

Die CO2-Preise haben im großen Maßstab noch wenig Lenkwirkung.

Der Anteil der CO2-Emissionen, für den ein Preis von mehr als 30 Euro pro Tonne aufgerufen wird, lag 2021 in Deutschland bei 82,4 Prozent. 2018 waren es noch lediglich 21,8 Prozent. Höhere Preise, die eine tatsächliche Lenkwirkungen entfalten könnten, sind jedoch noch nicht vorhanden. Nach wie vor wird nur fast ein Viertel der Emissionen mit mehr als 60 Euro pro Tonne bepreist. Vor allem in der Schweiz sind es schon deutlich mehr, aber auch die Niederlande, Italien, Spanien, Frankreich und einige weitere Länder liegen vor Deutschland.

CO2-Preise mit Lenkungswirkung bieten Anreize für technologieoffene CO2-Reduktionen. Sie schaffen Anreize erneuerbare Energieträger zu nutzen und die Nutzung fossile Energieträger auslaufen zu lassen.

In Deutschland müssen gute Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit Unternehmen Anreize haben ihren CO2-Fußabdruck zu reduzieren. Dazu gehört ein massiver Ausbau erneuerbarer Energien.

Letzte Aktualisierung: November 2023

Die Einwohner:innengewichtete durchschnittliche Luftliniendistanz zur nächsten Haltestelle des öffentlichen Verkehrs mit mind. 20 Abfahrten am Tag gibt an, wie gut der öffentliche Verkehr erreichbar ist.

Ø DE: 457 Meter

Der öffentliche Verkehr ist in Deutschland unterschiedlich gut zu erreichen.

Am besten ist der öffentliche Verkehr in den dicht besiedelten Stadtstaaten Berlin (211 Meter), Hamburg (226 Meter) und Bremen (234 Meter) zu erreichen. In Mecklenburg-Vorpommern sind es hingegen durchschnittlich über 1.000 Meter. Auch im Vergleich der westdeutschen Bundesländer eher dünn besiedelten Bayern sind es fast 800 Meter. In Sachsen-Anhalt hat sich die Erreichbarkeit deutlich verschlechtert.

Der ÖPNV kann einen wichtigen Beitrag zur klima- und umweltfreundlichen Mobilität leisten. Gerade in dicht besiedelten Gebieten können mit guten Angeboten viele Menschen erreicht werden. Im ländlichen Raum gestaltet sich das schwieriger. Dort sind Taktungen oft nicht dicht genug. Der Ausbau ist zudem häufig nicht wirtschaftlich.

Eine Kombination aus Ausbau des öffentlichen Verkehrs, der weiteren Verkehrsinfrastruktur und des Ladesäulennetzes ermöglicht es den Bürger:innen klimafreundlich mobil zu sein.

aktualisiert
Letzte Aktualisierung: November 2024

Der Anteil erneuerbarer Energieträger am Primärenergieverbrauch (PEV) gibt den Fortschritt im Ausbau erneuerbarer Energien an. Der ⁠Primärenergieverbrauch⁠ bezeichnet den Energiegehalt aller im Inland eingesetzten Energieträger (Definition Umweltbundesamt).

Ø DE: 15,7 Prozent

Der Anteil Erneuerbarer Energie ist noch deutlich zu gering.

16,6 Prozent des Primärenergieverbrauchs werden durch erneuerbare Energien gedeckt. Während es in Schleswig-Holstein im Jahr 2022 schon 40 Prozent sind, kommt Berlin gerade mal auf einen Anteil von 6 Prozent. Auch das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen erreicht lediglich 6,2 Prozent.

Die aktuellen Energiepreise belasten Haushalte und Unternehmen. Deutschland muss massiv in erneuerbare Energien investieren, damit wir in Zukunft wettbewerbsfähige Energiepreise haben und das Klima schützen.

Wenn wirtschaftliche Anreize zum weiteren Ausbau erneuerbarer Energien nicht ausreichen, ist die staatliche Förderung dieser sinnvoll, bis diese marktfähig sind. Mit der Genehmigung eines Wasserstoff-Kernnetzes im Oktober 2024 wurde zuletzt ein wichtiger Baustein für die Energiewende beschlossen. In diesem Zuge ist es auch wichtig Energiespeicher mitzudenken.

Anmerkung: Angaben zu 7 der 17 Bundesländer für das Jahr 2022 sind bisher nicht verfügbar. Deswegen wird im Status Quo das Jahr 2021 visualisiert. Die Entwicklung bildet auch die verfügbaren Werte für 2022 ab.

aktualisiert
Letzte Aktualisierung: November 2024

Die Strompreise werden als nationale Durchschnittspreise für einen Haushalt mittlerer Größe inklusive angewandte Steuern und Abgaben ausgewiesen.

Deutsche Strompreise sind kaum wettbewerbsfähig.

Die Strompreise in Deutschland bleiben nach starkem Anstieg von 2022 auf 2023 auch im Jahr 2024 auf sehr hohem Niveau. Der leichte Rückgang des Preises von 2023 auf 2024 sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Deutschland im ersten Halbjahr 2024 den höchsten Strompreis in diesem Ländervergleich hatte.

Wie bei den erneuerbaren Energien zeigt sich die Problematik von gestiegenen Preisen und gleichzeitig großem Handlungsbedarf.

Kurz- bis mittelfristig sind staatliche Entlastungen sinnvoll, langfristig kann der beschleunigte Ausbau erneuerbarer Energie zu wettbewerbsfähigen Strompreisen beitragen.

Anmerkung: Für 2024 ist der EU-Durchschnitt noch nicht verfügbar, deswegen im Status Quo das Jahr 2023 visualisiert wird.

aktualisiert
Letzte Aktualisierung: November 2024

Die Ressourcenproduktivität setzt Wirtschaftsleistung und eingesetzte Ressourcen ins Verhältnis. Die Wirtschaftsleistung wird mit dem Bruttoinlandsprodukt, die Ressourcen mit dem Inlandsmaterialverbrauch gemessen.

Deutschland bei Ressourcenausnutzung im Mittelfeld.

In Deutschland werden im Durchschnitt pro Kilogramm eingesetzter Ressourcen 3 Euro Bruttoinlandsprodukt erwirtschaftet. Das ist mehr als im EU-Durchschnitt. Allerdings ist die Produktivität insbesondere in der Schweiz und den Niederlanden deutlich höher.

Deutschland ist auf eine verlässliche Verfügbarkeit von Ressourcen angewiesen. Um künftig wettbewerbsfähig und nachhaltig zu bleiben, müssen wir nicht nur auf eine effiziente Ressourcennutzung setzen, sondern auch verstärkt auf Recycling.

Erstrebenswert ist eine echte Kreislaufwirtschaft, in der etwa eine Rohstoff-Börse die Ressourceneffizienz massiv erhöht. Dafür müssen insbesondere auch Recyclingtechnologien weiterentwickelt werden.

aktualisiert
Letzte Aktualisierung: November 2024

Installierte Solarnettoleistung je 1.000 Einwohner

Ø DE: 1.001 kW

Die installierte Solarleistung nimmt stark zu.

Unter den Bundesländern ist Brandenburg der Solar-Champion. Auf 1.000 Einwohner entfallen 2.465 Kilowatt Nettoleistung. Es folgen Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Bayern. Nordrhein-Westfalen schneidet unter den Flächenländern am schwächsten ab. Insgesamt hat die Solarleistung je Einwohner seit 2021 um mehr als 50 Prozent zugenommen.

Der Solarenergie kommt im Rahmen einer dezentralen Energieversorgung eine hohe Bedeutung zu. Bestehende Dachflächen und Fassaden könne zur Erzeugung genutzt werden. Der Anteil der Photovoltaik an der gesamten Stromerzeugung ist aber noch immer relativ niedrig. 2023 lag der Anteil an der Bruttostromerzeugung bei 12,2 Prozent.

Der Ausbautrend zeigt in die richtige Richtung. Um eine weitere Beschleunigung zu erreichen sind bürokratische Hürden bei der Genehmigung und beim Betrieb abzubauen.

aktualisiert
Letzte Aktualisierung: November 2024

Installierte Windnettoleistung je 1.000 Einwohner

Ø DE: 848 kW

Ausbau der Windenergie nur schleppend.

Brandenburg ist auch bei der Windleistung top. Auf 1.000 Einwohner entfallen 3.414 Kilowatt Nettoleistung. Es folgen Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern undSachsen-Anhalt . Besonders schwach schneidet Süddeutschland mit Baden-Württemberg und Bayern ab. Dort sind es jeweils unter 200 Kilowatt je 1.000 Einwohner. Von 2023 auf 2024 sank sich der jährliche Zuwachs der installierten Leistung im Bundesdurchschnitt von 5auf 4 Prozent.

Zwar hat Windkraft schon einen höheren Anteil der Bruttostromerzeugung als Solarenergie – 2023 lag der Anteil bei 28,4 Prozent – um Klimaziele zu erreichen verläuft der Ausbau jedoch viel zu langsam.

Die Genehmigungsverfahren für die Errichtung neuer Windenergieanlagen müssen massiv vereinfacht werden. Gerade der Transport der Anlagen ist mit dutzenden Genehmigungen für Schwertransporte verbunden. Abstandsregeln sollten in den Bundesländern zudem auf ein realistisches Maß reduziert werden.